Münsingen ist im Kanton Bern definitiv der neue Storch-Hotspot, wie Mirco Plozza, Direktor Personal und Betriebe beim PZM, bestätigt: «In diesem Jahr nisten 60 Störche auf unseren Dächern, das ist im Vergleich zum letzten Jahr eine Verdoppelung und hat uns doch überrascht.» Laut den Experten, welche die Verantwortlichen im Psychiatriezentrum beraten, fänden die Tiere in der Region Münsingen genügend Nahrung und Platz, deshalb fühlen sich immer mehr Störche auf dem PZM wohl.
Einerseits zeigt sich Plozza erfreut: «Der Storch ist unser Maskottchen und steht für Fröhlichkeit und die Zeit des Neubeginns.» Im Winter warten Patientinnen und Patienten, Mitarbeitende und Besuchende jeweils sehnsüchtig auf die Rückkehr der Vögel.» Ausserdem würden wegen der Störche auch immer mehr Besucherinnen und Besucher ins PZM kommen. Das begrüsse die Klinik sehr, da der Kontakt von Patienten und Besuchenden helfe, Vorurteile gegenüber psychischen Erkrankungen abzubauen. Andererseits sorgt diese Zunahme der Störche für verschiedene Probleme.
Schäden an den Gebäuden
Vor allem die Last der Horste kann für die Gebäude des Psychiatriezentrums zum Problem werden, erklärt Mirco Plozza. «Die Störche nisten mehrmals in denselben Nestern, durch die Nässe werden sie im Verlauf der Zeit immer schwerer.» Ein Problem sei es zudem, wenn die Storchpaare plötzlich ein Nest auf einem Lüftungsschacht bauen. Diese müssen entfernt werden. Vereinzelt habe man bei den Dächern mit Wassereinbrüchen zu kämpfen, aber zu grossen Schäden sei es beim PZM wegen der Störche noch nicht gekommen. Für Patientinnen und Patienten oder Mitarbeitende bestehe keine Gefahr, erklärt Plozza. «Die Nester sind sehr solide gebaut. Vereinzelt fällt ein Ästchen runter, aber die sind ungefährlich.»
Der Kot der Vögel sei für die Leute am Boden kaum ein Problem. Laut Plozza befinde sich nur ein Nest in der Nähe eines Gehwegs. Die Leute, die durchlaufen, seien gewarnt, da man den Kot am Boden sieht. Reklamationen habe es diesbezüglich nicht gegeben. Allerdings sei die Reinigung etwas eine «Sisyphus-Arbeit».
Bis zu 25'000 Franken jährlich
Um das Nistverhalten der Störche zu lenken, setzten die Verantwortlichen des PZM immer häufiger auf Nisthilfen, die auf den Dächern montiert werden und verhindern, dass die Storchen-Nester direkt auf dem Dach liegen. Diese würden rege benutzt, sagt Plozza.
Allerdings ist die Montage auf gewissen Gebäuden äusserst aufwendig. «Bei schwer zugänglichen Dächern müssen die Nisthilfen gar per Helikopter hochgeflogen werden, weil es mit einer Hebebühne aufwendiger und gefährlicher wäre», erklärt Plozza. Die Reinigungskosten und Montagen solcher Nisthilfen eingerechnet, verursachen die Störche beim Psychiatriezentrum Münsingen Kosten von 20'000 bis 25'000 Franken pro Jahr. «Bei so vielen Störchen fällt da einiges an Arbeit an.»
Sponsoren gesucht
Diese Kosten trägt das zuletzt finanziell nicht auf Rosen gebettete PZM selbst. Einzig der lokale Natur- und Vogelschutzverein Münsingen hat sich mit 3'000 Franken daran beteiligt. Bisher haben die Verantwortlichen in Münsingen vergebens nach weiteren Geldgebern für die Pflege der Störche gesucht. Verschiedene Schweizer Vogel- und Naturorganisationen gaben dem Psychiatriezentrum einen Korb. Das habe wohl damit zu tun, dass es sich beim PZM offiziell um eine Aktiengesellschaft handelt, auch wenn man nicht per se gewinnorientiert wirtschaftet.
Verhindern, dass die Störche auf den Gebäuden nisten, könne und wolle man nicht. Natürlich hoffe man, dass nach dem Rekordjahr 2024 im nächsten Jahr nicht noch mehr Störche in Münsingen ein neues Zuhause suchen. Und wenn, Plozza lässt sich nicht aus der Ruhe bringen: «Wir müssen damit leben, das ist die Natur.»